«Zeitzeugnisse» entstand 2013 zum 500. Jahrestag der Aufnahme des Standes Appenzell in die Eidgenossenschaft.
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Appenzeller Geschichten in Wort und Bild
Lassen Sie sich inspirieren! Tauchen Sie ein in die Geschichte der beiden Kantone im Nordosten der Schweiz!
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Titel:
Eine Beschreibung des appenzellischen Gebirges
Beschreibung:
Das vorliegende Dokument wurde 1716 vom Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer unter dem Titel „Helvetiae Stoicheiographia / Orographia et Oreographia. Natur-Historie des Schweizerlandes“ herausgegeben. Die Beschreibung zum appenzellischen Gebirge verfasste der Kapuzinerpater Clemens Geiger schon 1706.
Der Text ist sechs Seiten lang und enthält neben der eigentlichen Beschreibung des Alpsteingebirges auch Märchen, Sagen und Erzählungen aus dem Volksmund. Geigers Bericht befasst sich vor allem mit dem östlichen Teil des Alpsteingebirges. Der reformierte Toggenburger Pfarrer Johann Heinrich Scherrer verfasste einen Text zum westlichen Alpsteingebirge und dem Churfirstengebiet, welcher sachbezogener ausfiel als Geigers Beschreibung und ebenfalls in Scheuchzers Sammelband aufgenommen wurde.
Geiger beginnt seine Beschreibung mit einer Abgrenzung Innerrhodens gegen das Rheintal. In seiner Analyse geht er nacheinander auf die drei verschiedenen Gebirgsketten des Alpsteinmassivs ein. Zuerst beschreibt er die äusserste, südlichste der drei Bergketten von der Fäneren bis zum Altmann und schwärmt vom wunderbaren Ausblick in Richtung „Schwaben, Lindau, Bregenz und Konstanz“. Seine Beschreibung führt ihn über die Alp Sämtis zurück nach Brülisau, wobei das Wetterkreuz auf dem Fänerenspitz besondere Erwähnung findet: „Gegen Sonnen Auf=gang Fähneren / auf welchen hohen Berg sich befindt ein mit Sturz schön beschlagenes Kreutz wider das Wetter.“
Die Beschreibung der zweiten, mittleren Bergkette des Alpsteinmassivs beginnt er mit der Problemdarstellung des Wassermangels auf der Alp Sigel. Danach erwähnt er die Alpen Marwees, Mauss (heute nicht mehr im Sprachgebrauch) und der Gloggeren-Alp mit dem Ziel Meglisalp und Berg Messmer. Dabei finden der Seealpsee und der Schwendibach in seiner Wegbeschreibung Verwendung.
Geigers Beschreibung der dritten und letzten Bergkette beginnt mit einer ausführlichen Schilderung des Wildkirchlis: „Oberhalb dieses Thals befindt sich die Wunderkruft des H. Ertz=Engel Michaelis (ins gemein die wilde Kirch genant/) wegen des wilden Passes und gefahrlichen Wegs / zu dieser Kirchen oder Höle / inmassen man durch ein 5. gemein Schuh breiten Weg nebent einen grausamen Praecipitio zu dieser Kruft gehen müsse […]“. Weiter erwähnt Geiger die Ebenalp und das Öhrli und schliesst seinen Text mit einem Bericht ab über das Gebiet zwischen dem Nordfuss des Alpsteingebirges und dem Kronberg.
Clemens Geigers Bericht gestaltet sich zwar ausführlich, aber nicht immer sachlich, wenn er auf Drachen und Geister eingeht, die die Wetterlöcher und Höhlen des Alpsteingebirges bewohnt haben sollen. Darüber hinaus geht er auch auf die Heilpflanzen ein: „Auf diesem Berg wachsen allerhand Kräuter / Blumen / Nägeli / Wurzen / das man bezeugt bey Sommerszeit ein solcher Geruch zusein als in einer kostlichen Apothek / sonderbahr wachst dasselbst Allermans=Harnisch / Süsswurz / Engelfuss / und vorderist sehr viel Schnittlauch […]“. Aber auch hier werden Mondmilch, Luftlöcher und Tropfsteine genannt in seiner zum Teil eigenwilligen Beschreibung und Interpretation des Alpsteingebirges.
