Zeitzeugnisse

Drucken

Appenzeller Geschichten in Wort und Bild

«Zeitzeugnisse» entstand 2013 zum 500. Jahrestag der Aufnahme des Standes Appenzell in die Eidgenossenschaft.
Wir laden Sie ein, in der Appenzeller Geschichte zu stöbern oder ganz gezielt nach Themen, Orten oder Jahren zu suchen.

Lassen Sie sich inspirieren! Tauchen Sie ein in die Geschichte der beiden Kantone im Nordosten der Schweiz!

Zufallsartikel (1/451)

Rechenbüchlein aus Rehetobel  

Bild

Titel:

Rechenbüchlein aus Rehetobel

Beschreibung:

Ein Rechenbüchlein aus dem Jahr 1681 mit dem Titel „Vermehrtes/und zum theil selbst=lehrendes Rechenbuechlein“. Aufgrund einer handschriftlichen Signierung auf dem Titelblatt muss das Rechenbüchlein einem Johannes Schirmer, womöglich wohnhaft in Trogen, gehört haben.

Es ist nicht ersichtlich, wo das Rechenbüchlein gedruckt worden ist. Obwohl auf der Titelseite Johannes Zürcher aus Rehetobel als Verleger angegeben wird („Zufinden im Rehtobel bey Johannes Züricher“), ist es aufgrund des Publikationsjahres 1681 nicht klar, ob das Rechenbüchlein wirklich in Rehetobel gedruckt wurde, da zu diesem Zeitpunkt im Kanton Appenzell Ausserrhoden erst eine Druckerei in Herisau existierte.

Das Rechenbüchlein richtete sich laut den Ausführungen auf dem Titelblatt an diejenigen, die das Rechnen vergessen haben und an diejenigen, die noch nie Rechenunterricht geniessen durften. Das Rechenbüchlein ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beschränkt sich auf die Basisfunktionen: auf das Zählen, das Zählen in römischen Zahlen, das Einmaleins, die Addition, die Subtraktion, die Multiplikation, die Division und auf das Bruchrechnen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Zinsrechnen, Dreisätzen und Rechnungen zu den verschiedenen Währungen. Dem Rechenbüchlein sind ausserdem die Lösungen beigefügt, jedoch keine Lösungswege, „weil ihrer viel der meinung/die Jugend moechte zu ihrem nachtheil viel abspicken/deswegen seye nothwendig/dass von dem zehlen an bis auff das letste Exempel/nur das facit stande/und die Exempel denen im ersten Theil nicht gleich seyen/damit die Jugend gerrungen jedem nachzu=sinnen“. Das Rechenbüchlein richtet sich ganz diesem Zitat entsprechend an die Jugend, aber auch an die Liebhaber der Rechenkunst. Im Folgenden wird auf drei verschiedene praktische Rechenaufgaben eingegangen:

Ein „Summir=Kaueff“ (S. 28)
Die Aufgabe setzt Währungsumrechnungskenntnisse voraus: 1 Gulden = 60 Kreuzer, 1 Kreuzer = 8 Heller. Es werden die Stoffe Leinwand à 617 Gulden, 35 Kreuzer und 6 Heller, Barchet (ist ein Mischgewebe aus Leinen (Kette) und Baumwolle (Schuss)) à 421 Gulden, 14 Kreuzer und 5 Heller, Tuch à 315 Gulden, 59 Kreuzer und 4 Heller und Seide à 844 Gulden, 48 Kreuzer und 3 Heller zusammengerechnet. Das Resultat nennt ein Total von 2199 Gulden, 38 Kreuzer und 2 Heller.

Ein „Subtrahir=Kaeuff“ (S. 32)
Die Aufgabe lautet: „Item/Einer ist schuldig gewesst 617 fl. 35 kr. 6 hlr. Daran hat er bezahlet 422. fl. 48 kr. 7 hlr. Wie vil bleibt er noch pro Rest schuldig?“

Eine „Gesellschafft=Rechnung“ (S. 135)
Die Aufgabe lautet: „Item/Ihr zwey machen ein Gesell=schafft/A legt 100 fl. B 1500 fl. ha=ben in einem Jahr gewonnen 420 fl. Wie viel gebuehrt jedem pro rata? Facit A 168 fl. B 252 fl.

Die Währungsabkürzungen sind so zu verstehen: Gulden = fl., Kreuzer = Kr., Heller = hlr. Auf das eigene Nachrechnen sei hingewiesen, dass unsere Vorfahren nicht an das Dezimalsystem gewöhnt waren.

Zum Artikel